Verwendet man wirklich noch Zwangsjacken?
Zur Fixierung unruhiger oder gefährlicher Patienten muss die Psychiatrie gelegentlich zu massiven Methoden greifen. Jahrzehntelang galt die Zwangsjacke dazu als angemessenes und wirksames Mittel.
Dabei handelt es sich um eine weite Jacke aus fester Baumwolle oder Leinen, deren Ärmel am Ende verschlossen sind. Durch lederne Riemen, als Verlängerung der Ärmel, lassen sich die Arme vor dem Körper kreuzen und dann seitlich des Körpers fixieren. Weitere Riemen oder Schnallen auf dem Rücken sorgen für einen strammen Halt der Jacke. Um zu verhindern, dass der Träger die Zwangsjacke über den Kopf abstreifen kann, ist sie zusätzlich durch Riemen unter dem Schritt befestigt.
Zum Einsatz kamen Zwangsjacken vor allem während gewalttätiger psychischer Anfälle sowie zur Ruhigstellung aggressiver Täter auf dem Transport ins Gericht. Da das Tragen der Jacke zu körperlichen Schmerzen, Engegefühl in der Brust und starkem Schwitzen führt, gilt ihr Einsatz allerdings seit einigen Jahrzehnten als Verstoß gegen die Menschenwürde.
In deutschen psychiatrischen Einrichtungen verwendet man die Zwangsjacke daher nicht mehr. Wenn dort Patienten zu ihrem eigenen Schutz körperlich ruhig gestellt werden sollen, setzt man mittlerweile andere Mittel ein. Neben Medikamenten ist dies die Fixierung mit Gurten sowie gepolsterten Hand- und Fuß-Manschetten. Üblich ist eine medizinische Fixation zum Beispiel bei Patienten mit gewalttätigen Schüben oder Verwirrtheitszuständen, die vorübergehend mit Gurten am Bett oder Stuhl fixiert werden.
Ohne Einwilligung des Gefesselten oder seines gesetzlichen Vertreters ist die gewaltsame Fixierung in Deutschland generell verboten. Sie gilt als Freiheitsberaubung. Wie andere Methoden der Fesselung ist die Zwangsjacke allerdings bei einigen Menschen als freiwillige Maßnahme beliebt. Gefertigt aus Materialien wie Lack, Leder oder glänzendem Latex dient sie dabei in erotischen Rollenspielen zur Fixierung des Partners. Das Schwitzen ist hier erwünschte Nebenwirkung.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Modellen verfügen die erotischen Zwangsjacken über ein modisches Design, etwa Schnallen, Nieten und farbige Accessoires.
Montag, 26. Januar 2009