Was versteht man unter Pumpf und Grotzen?

Pumpf und Grotzen sind Fachbegriffe aus dem KĂŒrschner-Handwerk. Als Pumpf bezeichnet man dabei den hinteren RĂŒckenteil des Pelzfelles zum Schwanzansatz. Der Grotzen hingegen ist RĂŒckenlinie des Felles. Meist ist sie dunkler gezeichnet und weist eine andere Haarstruktur auf als das ĂŒbrige Fell.

Eine Veredelung dieser Fellpartie nennt man entsprechend auch „Grotzieren“. Dabei wird die Mitte des RĂŒckenfells durch FĂ€rbung kĂŒnstlich nachgedunkelt, um den Grotzen noch stĂ€rker zur Geltung zu bringen. Oftmals findet dieses Verfahren auch Anwendung, wenn die Fellmitte durch Alterung oder Lichteinwirkung verblasst ist. Durch FĂ€rbung lĂ€sst sich dann der verloren gegangene Akzent in der Fellmitte wieder hervorheben. Ein gleichmĂ€ĂŸig dunkler Grotzen gilt bei Pelzen als QualitĂ€tszeichen.Optimale Farbzeichnung von Pumpf und Grotzen ist daher auch ein wichtiges Ziel in der Pelztierzucht, etwa bei Nerzen, Chinchillas oder auch Nutrias.

Felle sind ein StĂŒck Natur. Jeder Abschnitt weist daher natĂŒrliche Charakteristika in Haarstruktur, Farbton und Funktion auf. Am stĂ€rksten unterscheiden Pumpf und Grotzen sich durch die StĂ€rke und LĂ€nge der dort befindlichen Haare. WĂ€hrend die Deckhaare auf dem RĂŒcken meist dicker und stĂ€rker gefĂ€rbt sind, zeichnet sich die Afterpartie durch feineren und kurzen Haarwuchs aus. Denn der Grotzen soll optimal wĂ€rmen und Wasser abstoßen, die Fellzeichnung des Pumpf dient gelegentlich als Reiz fĂŒr Partner, etwa beim Rehwild.

Auch wenn diese Unterschiede fĂŒr das lebende Tier existenzielle Vorteile mit sich bringen, sind sie fĂŒr den KĂŒrschner oder Pelzveredler hĂ€ufig ein Nachteil. Je nach KleidungsstĂŒck und Modeströmung braucht er einheitliche Felle, um ohne Schnittverluste arbeiten zu können. Dient der Grotzen oftmals als besonders schmĂŒckender Blickfang, lĂ€sst sich das feine Pumpf-Haar fĂŒr herkömmliche Bekleidung kaum verwenden.

Die materialgerechte und effektive Verarbeitung von Pumpf und Grotzen gehört deshalb zu den anspruchsvolleren Aufgaben in der KĂŒrschnerei. Vor allem die abfallende HaarlĂ€nge zum Pumpf erfordert ein millimetergenaues Zuschneiden, Sortieren und VernĂ€hen.

Sonntag, 4. Januar 2009
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